Anno MMXXVI · Glück auf!Über die GildeWörterbuchEnglishDeutsch

Eine Chronik der Holzkunst aus dem Erzgebirge

KapitelIII

Das Handwerk

Wie die Stücke entstehen
Von oben: Drechseleisen und Schnitzmesser auf einer abgenutzten Werkbank zwischen Lindenholzrohlingen, einer halb gedrechselten Figur und Spänen.
Drechselröhren, Schnitzmesser, feine Pinsel und Lindenrohlinge auf einer abgenutzten Werkbank.

Drei Werkzeuge tun den größten Teil der Arbeit: die Drehbank, das Messer und der Pinsel. Um Seiffen herrschte das Drechseln, ein schnelles und genaues Handwerk, wie gemacht, um viele gleiche Stücke herzustellen; im westlichen Erzgebirge das Schnitzen.

Dieses Kapitel schaut den Werkstätten über die Schulter: auf die Hölzer, die sie wählen, auf die Techniken, die sie beherrschen, und darauf, wie zwei der beliebtesten Stücke, der Räuchermann und die Pyramide, eigentlich funktionieren.

Die Hölzer

Die Werkstätten verarbeiten die Hölzer der umliegenden Wälder: Birke, Buche, Linde, Erle und Ahorn, dazu Fichte. Als grobe Regel gilt: Geschnitzte Figuren sind oft aus Linde, weich und gleichmäßig unter dem Messer, gedrechselte Teile oft aus Buche, hart und glatt auf der Drehbank.

Jede Technik hat ihr Holz. Das Reifendrehen braucht Fichte, nass und astfrei; am alten Seiffener Drehwerk lag das Holz dafür im Mühlteich unter Wasser. Der Spanbaum wird aus geradfaseriger Linde gestochen. Und alles muss vorher gut getrocknet sein, sonst verzieht sich das Stück.

Klötze aus heller Linde, rötlicher Buche, rotbrauner Erle und gelblicher Fichte nebeneinander auf der Werkbank, Hirnholz sichtbar.
Tafel 1. Linde, Buche, Erle, Ahorn und Fichte, mit sichtbarem Hirnholz.

An der Drehbank

Das Drechseln war die zentrale Technik der Seiffener Gegend, nach dem Urteil des Museums eine besonders produktive und rationelle. Der Drechsler formt das sich drehende Holz mit Röhren und Meißeln, die er auf eine Auflage stützt, und kann dasselbe Profil wieder und wieder treffen. Die frühen Seiffener Drechsler fertigten Docken und kleinen Hausrat und eine berühmte Spezialität: hohl gedrehte Holzäpfel und -birnen, die sich öffnen ließen und eine winzige Küche, ein Geschirr, ja ein kleines Städtchen bargen – Verpackung und Spielzeug in einem.

Räuchermänner, Nussknacker, Engel und Bergleute sind im Kern gedrechselte Stücke: Körper, Köpfe, Hüte und Arme kommen als Einzelteile von der Drehbank und werden dann zusammengesetzt, verleimt und bemalt.

Hände führen das Drechseleisen an das rotierende Lindenholz; Späne kringeln sich davon.
Tafel 2. Das Eisen an der Drehbank, die Späne fliegen.

Wie ein Räuchermann entsteht

Ein Räuchermann ist eine kleine gedrechselte Figur, die sich in der Mitte teilen lässt. Die untere Hälfte trägt ein Blechplättchen, auf dem die Räucherkerze brennt; die obere, innen hohl, wird darübergesetzt, und der Rauch zieht durch den Mund ab.

  1. Kupferstich: auf einer kleinen Drehbank entsteht der Körper eines Räuchermanns; eine gedrechselte Kugel für den Kopf, eine Fußscheibe und eine Walze liegen bereit.

    Die Teile drechseln

    Körper, Sockel und Kopf werden auf der Drehbank gedrechselt, jedes nach seinem eigenen Profil, meist aus heimischen Harthölzern.

  2. Kupferstich: der gedrechselte Unterkörper eines Räuchermanns wird im Schraubstock mit der Bohrwinde ausgehöhlt.

    Die Kammer aushöhlen

    Der Oberkörper wird hohl gedreht, damit eine Rauchkammer entsteht, und der Mund wird durchbohrt, damit der Rauch einen Ausweg hat. Eine Öffnung unten lässt frische Luft hinein, damit die Kerze weiterglimmt.

  3. Kupferstich: Hände schnitzen kleine Teile mit dem Messer; gedrechselte Arme, Hutkrempe und Hutkopf liegen bereit.

    Hut, Arme und Pfeife

    Hut, Arme und das Werkzeug seines Gewerbes werden einzeln gedrechselt oder geschnitzt. Die Pfeife ist oft ein dünner Holzstab mit gedrechseltem Kopf.

  4. Kupferstich: Hände setzen die Teile eines Räuchermanns mit Leim zusammen; daneben Leimtopf und der hohle Fuß.

    Zusammensetzen und verleimen

    Die Teile werden angepasst und verleimt, und das Blech für die Räucherkerze wird in den Sockel gesetzt.

  5. Kupferstich: eine Hand bemalt die fertige Figur mit feinem Pinsel, daneben raucht ein vollendeter Räuchermann.

    Bemalen

    Zuletzt wird die Figur bemalt, Gesicht und Gewand, von Hand. Eine Kerze auf den Sockel, das Oberteil darüber, und das Männlein fängt an zu rauchen.

Warum sich die Pyramide dreht

Eine Weihnachtspyramide ist eine kleine Wärmekraftmaschine. Die Kerzen an ihrem Fuß erwärmen die Luft darüber; warme Luft dehnt sich aus und steigt, und auf ihrem Weg nach oben drückt sie gegen die schräg gestellten Flügel des Flügelrads an der Spitze. Das Rad sitzt auf einer Mittelwelle, und die Welle trägt eine oder mehrere Etagen mit Figuren, sodass sich das ganze Karussell dreht.

Die Welle steht mit einer feinen Metallspitze in einem kleinen Glas- oder Porzellanlager, das kaum Reibung hat; deshalb genügen wenige Kerzen. Die Flügel laufen am besten bei etwa 45 Grad, und je mehr Kerzen, desto schneller dreht sich die Pyramide.

Gestochener Schnitt durch eine Weihnachtspyramide: ein Kerzenkranz auf dem Fuß, gewellte Linien aufsteigender Warmluft, das Flügelrad dreht die Mittelachse mit ihrem Figurenteller.
Tafel 7. Kerzen am Fuß, aufsteigende Wärme, das Flügelrad dreht Welle und Etagen.

Reifendrehen: eine Herde aus einem Reifen

Das Reifendrehen gibt es nur in Seiffen und seiner Umgebung, und heute beherrschen es nur noch eine Handvoll Menschen. Der Reifendreher formt einen Ring so, dass sein Querschnitt den Umriss eines Tieres ergibt – und kann diesen Umriss beim Drehen selbst nicht sehen.

  1. Kupferstich: ein dicker, quer aus einem Fichtenstamm gesägter und in der Mitte ausgebohrter Reifen liegt neben Säge und Bohrer auf der Werkbank.

    Der Reifen

    Ein Reifen wird aus einem Stamm nasser, astfreier Fichte geschnitten, etwa 30 bis 50 Zentimeter im Durchmesser.

  2. Kupferstich: der Reifen dreht sich auf einer großen Drehbank, zwei Hände drehen mit einem langen Hakeneisen sein verborgenes Profil; lange Späne fliegen.

    Das verborgene Profil drehen

    Auf der Drehbank formt der Reifendreher Innen- und Außenseite des Reifens so, dass der Querschnitt das Seitenprofil eines Pferdes, einer Kuh oder eines Hirsches enthält. Fehler zeigen sich erst am Ende, wenn sie kaum noch zu beheben sind.

  3. Kupferstich: Hände spalten den gedrehten Reifen mit Messer und Klöpfel wie einen Kuchen; das herausgezogene Stück zeigt im Anschnitt ein Pferd.

    Spalten

    Der Reifen wird wie eine Torte in 40 bis 60 Stücke gespalten. Jedes Stück ist ein Tier, seinen Nachbarn aufs Haar gleich.

  4. Kupferstich: Hände schnitzen ein keilförmiges Stück zu einem Pferd; davor eine Reihe fertiger Tierchen und Farbtöpfe.

    Schnitzen und bemalen

    Jeder Rohling wird beschnitzt, bekommt angeleimte Ohren und Schwanz und wird bemalt. Um 1920 konnte ein geübter Reifendreher an einem Tag Rohlinge für vier Heimarbeiterfamilien liefern.

Woran man Handarbeit erkennt

Handarbeit und Maschine leben hier seit Langem nebeneinander. Das Reifendrehen und das Verlagswesen waren selbst Wege, viele gleiche Stücke herzustellen; 1935 kamen die ersten Halbautomaten in die Werkstätten; und heutige Lehrlinge lernen neben Drehbank und Messer auch rechnergestütztes Entwerfen und computergesteuerte Maschinen. Was die Hand noch immer entscheidet, ist die Ausführung: wie ein Gesicht gedreht ist, wie ein Auge gezogen ist, wie die Farben aneinanderstoßen.

Nachahmungen aus dem Ausland übernehmen die Form, selten die Ausführung. 2025 nannte die Deutsche Presse-Agentur, gestützt auf Händler und den Branchenverband, einige Kennzeichen: dünnes Blech, wo gute Stücke schwerere Kerzentüllen aus Messing haben, Holz, das nicht richtig getrocknet ist und sich verzieht, und Etiketten, die etwas „im Erzgebirge-Stil“ versprechen.

Quellen

  1. Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, „Entstehung der erzgebirgischen Spielzeugherstellung“
  2. Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, Pressemappe Freilichtmuseum
  3. Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, Museumsbulletin 2010-1
  4. Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, „Weihnacht im Museum“
  5. Kurort Seiffen, „Einmalig auf der Welt: Reifentiere und Spanbäume“
  6. Deutsche Handwerks Zeitung, Reifendrehen (23. Dezember 2022)
  7. TU Chemnitz, Adventskalender 2013: die Weihnachtspyramide
  8. Berliner Kurier mit dpa, „Holz-Schätze aus dem Erzgebirge“ (4. Dezember 2025)