Das Handwerk

Drei Werkzeuge tun den größten Teil der Arbeit: die Drehbank, das Messer und der Pinsel. Um Seiffen herrschte das Drechseln, ein schnelles und genaues Handwerk, wie gemacht, um viele gleiche Stücke herzustellen; im westlichen Erzgebirge das Schnitzen.
Dieses Kapitel schaut den Werkstätten über die Schulter: auf die Hölzer, die sie wählen, auf die Techniken, die sie beherrschen, und darauf, wie zwei der beliebtesten Stücke, der Räuchermann und die Pyramide, eigentlich funktionieren.
Die Hölzer
Die Werkstätten verarbeiten die Hölzer der umliegenden Wälder: Birke, Buche, Linde, Erle und Ahorn, dazu Fichte. Als grobe Regel gilt: Geschnitzte Figuren sind oft aus Linde, weich und gleichmäßig unter dem Messer, gedrechselte Teile oft aus Buche, hart und glatt auf der Drehbank.
Jede Technik hat ihr Holz. Das Reifendrehen braucht Fichte, nass und astfrei; am alten Seiffener Drehwerk lag das Holz dafür im Mühlteich unter Wasser. Der Spanbaum wird aus geradfaseriger Linde gestochen. Und alles muss vorher gut getrocknet sein, sonst verzieht sich das Stück.

An der Drehbank
Das Drechseln war die zentrale Technik der Seiffener Gegend, nach dem Urteil des Museums eine besonders produktive und rationelle. Der Drechsler formt das sich drehende Holz mit Röhren und Meißeln, die er auf eine Auflage stützt, und kann dasselbe Profil wieder und wieder treffen. Die frühen Seiffener Drechsler fertigten Docken und kleinen Hausrat und eine berühmte Spezialität: hohl gedrehte Holzäpfel und -birnen, die sich öffnen ließen und eine winzige Küche, ein Geschirr, ja ein kleines Städtchen bargen – Verpackung und Spielzeug in einem.
Räuchermänner, Nussknacker, Engel und Bergleute sind im Kern gedrechselte Stücke: Körper, Köpfe, Hüte und Arme kommen als Einzelteile von der Drehbank und werden dann zusammengesetzt, verleimt und bemalt.

Messer, Säge, Spanbaumeisen und Pinsel
Neben dem Drechseln kannte die Hausindustrie des Erzgebirges eine ganze Familie von Techniken: das Schnitzen, am stärksten im westlichen Gebirge; die Laubsägearbeit, die die Umrisse der Schwibbögen aussägt; das Spanbaumstechen, bei dem gelockte Späne zum Spanbaum aufgestochen werden; und das Bemalen, oft in Heimarbeit. Dazu kamen Spanschachteln zum Verpacken des Spielzeugs und Figuren aus gepresster Masse, die an der Seiffener Schule ab 1874 gelehrt wurden.




Wie ein Räuchermann entsteht
Ein Räuchermann ist eine kleine gedrechselte Figur, die sich in der Mitte teilen lässt. Die untere Hälfte trägt ein Blechplättchen, auf dem die Räucherkerze brennt; die obere, innen hohl, wird darübergesetzt, und der Rauch zieht durch den Mund ab.

Die Teile drechseln
Körper, Sockel und Kopf werden auf der Drehbank gedrechselt, jedes nach seinem eigenen Profil, meist aus heimischen Harthölzern.

Die Kammer aushöhlen
Der Oberkörper wird hohl gedreht, damit eine Rauchkammer entsteht, und der Mund wird durchbohrt, damit der Rauch einen Ausweg hat. Eine Öffnung unten lässt frische Luft hinein, damit die Kerze weiterglimmt.

Hut, Arme und Pfeife
Hut, Arme und das Werkzeug seines Gewerbes werden einzeln gedrechselt oder geschnitzt. Die Pfeife ist oft ein dünner Holzstab mit gedrechseltem Kopf.

Zusammensetzen und verleimen
Die Teile werden angepasst und verleimt, und das Blech für die Räucherkerze wird in den Sockel gesetzt.

Bemalen
Zuletzt wird die Figur bemalt, Gesicht und Gewand, von Hand. Eine Kerze auf den Sockel, das Oberteil darüber, und das Männlein fängt an zu rauchen.
Warum sich die Pyramide dreht
Eine Weihnachtspyramide ist eine kleine Wärmekraftmaschine. Die Kerzen an ihrem Fuß erwärmen die Luft darüber; warme Luft dehnt sich aus und steigt, und auf ihrem Weg nach oben drückt sie gegen die schräg gestellten Flügel des Flügelrads an der Spitze. Das Rad sitzt auf einer Mittelwelle, und die Welle trägt eine oder mehrere Etagen mit Figuren, sodass sich das ganze Karussell dreht.
Die Welle steht mit einer feinen Metallspitze in einem kleinen Glas- oder Porzellanlager, das kaum Reibung hat; deshalb genügen wenige Kerzen. Die Flügel laufen am besten bei etwa 45 Grad, und je mehr Kerzen, desto schneller dreht sich die Pyramide.

Reifendrehen: eine Herde aus einem Reifen
Das Reifendrehen gibt es nur in Seiffen und seiner Umgebung, und heute beherrschen es nur noch eine Handvoll Menschen. Der Reifendreher formt einen Ring so, dass sein Querschnitt den Umriss eines Tieres ergibt – und kann diesen Umriss beim Drehen selbst nicht sehen.

Der Reifen
Ein Reifen wird aus einem Stamm nasser, astfreier Fichte geschnitten, etwa 30 bis 50 Zentimeter im Durchmesser.

Das verborgene Profil drehen
Auf der Drehbank formt der Reifendreher Innen- und Außenseite des Reifens so, dass der Querschnitt das Seitenprofil eines Pferdes, einer Kuh oder eines Hirsches enthält. Fehler zeigen sich erst am Ende, wenn sie kaum noch zu beheben sind.

Spalten
Der Reifen wird wie eine Torte in 40 bis 60 Stücke gespalten. Jedes Stück ist ein Tier, seinen Nachbarn aufs Haar gleich.

Schnitzen und bemalen
Jeder Rohling wird beschnitzt, bekommt angeleimte Ohren und Schwanz und wird bemalt. Um 1920 konnte ein geübter Reifendreher an einem Tag Rohlinge für vier Heimarbeiterfamilien liefern.
Woran man Handarbeit erkennt
Handarbeit und Maschine leben hier seit Langem nebeneinander. Das Reifendrehen und das Verlagswesen waren selbst Wege, viele gleiche Stücke herzustellen; 1935 kamen die ersten Halbautomaten in die Werkstätten; und heutige Lehrlinge lernen neben Drehbank und Messer auch rechnergestütztes Entwerfen und computergesteuerte Maschinen. Was die Hand noch immer entscheidet, ist die Ausführung: wie ein Gesicht gedreht ist, wie ein Auge gezogen ist, wie die Farben aneinanderstoßen.
Nachahmungen aus dem Ausland übernehmen die Form, selten die Ausführung. 2025 nannte die Deutsche Presse-Agentur, gestützt auf Händler und den Branchenverband, einige Kennzeichen: dünnes Blech, wo gute Stücke schwerere Kerzentüllen aus Messing haben, Holz, das nicht richtig getrocknet ist und sich verzieht, und Etiketten, die etwas „im Erzgebirge-Stil“ versprechen.


Quellen
- Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, „Entstehung der erzgebirgischen Spielzeugherstellung“
- Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, Pressemappe Freilichtmuseum
- Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, Museumsbulletin 2010-1
- Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, „Weihnacht im Museum“
- Kurort Seiffen, „Einmalig auf der Welt: Reifentiere und Spanbäume“
- Deutsche Handwerks Zeitung, Reifendrehen (23. Dezember 2022)
- TU Chemnitz, Adventskalender 2013: die Weihnachtspyramide
- Berliner Kurier mit dpa, „Holz-Schätze aus dem Erzgebirge“ (4. Dezember 2025)