Anno MMXXVI · Glück auf!Über die GildeWörterbuchEnglishDeutsch

Eine Chronik der Holzkunst aus dem Erzgebirge

Holzkunst aus dem Erzgebirge

Geschnitztes Licht aus dem Erzgebirge

Handkolorierter Holzschnitt: Bergleute bei der Arbeit vor einem hölzernen Schachthaus mit Seilhaspel, Erzwagen auf Holzschienen, dahinter eine ummauerte Stadt mit Kirchtürmen hinter dem Fichtenwald.
Bergleute am Huthaus, nach den Holzschnitten in Agricolas De re metallica (1556).

Mehr als achthundert Jahre lang gab dieses Gebirge an der Grenze zwischen Sachsen und Böhmen Silber, Zinn und Kobalt her. Als der Bergbau nachließ, griffen die Bergmannsfamilien zur Drehbank und zum Schnitzmesser, und das Erzgebirge wurde berühmt für sein Holzspielzeug und seine Weihnachtslichter: Schwibbögen, Pyramiden, Räuchermänner.

Bis heute werden diese Stücke in kleinen Werkstätten des Gebirges gedrechselt, geschnitzt und bemalt. Diese Chronik erzählt, woher sie kommen, wie sie entstehen und wie man sie pflegt.

Glück auf!

Mit „Glück auf!“ grüßen sich die Bergleute im Erzgebirge seit dem späten 17. Jahrhundert. Gemeint war der Wunsch, der Berg möge sich auftun und reiche Erzgänge freigeben; später kam die Bitte hinzu, gesund wieder auszufahren. Im Gebirge sagt man es bis heute.

Erzgebirge Guild heißt ein Kreis kleiner, unabhängiger Werkstätten in diesen Bergen: oft ein Drechsler, eine Malerin, eine Familie. Diese Chronik erzählt ihre Geschichte – von den Gruben und den Bergleuten bis zum Handwerk und seinen Bräuchen. Jede Jahreszahl stützt sich auf eine Quelle; die Quellen stehen am Ende jeder Seite.

Verzeichnis der Stücke

Die Stücke

Sieben Formen, die das Erzgebirge berühmt gemacht haben, jede mit ihrer eigenen Geschichte.

  1. Ein hölzerner Räuchermann als Bergmann in schwarzer Uniform mit Schirmmütze und Messinglampe, den runden Mund geöffnet.
    Nr. I

    Räuchermänner

    Eine kleine gedrechselte Figur, die den Duft einer verborgenen Räucherkerze aus dem Mund pafft.

  2. Eine einstöckige Weihnachtspyramide: Krippenfiguren auf einem gedrechselten Teller, vier weiße Kerzen, oben ein hölzernes Flügelrad.
    Nr. II

    Weihnachtspyramiden

    Ein Karussell aus Figuren auf Etagen, gedreht allein von der Wärme seiner Kerzen.

  3. Ein Nussknacker-König im roten Gewand mit goldener Krone, weißem Bart und Zepter.
    Nr. III

    Nussknacker

    Gestrenge Könige, Soldaten und Förster mit einem Hebel im Rücken und einem Maul für Walnüsse.

  4. Ein heller Schwibbogen aus Holz mit neun weißen Kerzen; darunter ein ausgesägtes Dorf mit Kirche, Fichten und zwei kleinen Bergleuten.
    Nr. IV

    Schwibbögen

    Ein Lichterbogen fürs Winterfenster, zuerst 1740 aus Eisen geschmiedet.

  5. Ein Lichterpaar: ein Engel in Weiß mit goldenen Flügeln und ein Bergmann in Schwarz, jeder mit zwei weißen Kerzen.
    Nr. V

    Engel und Bergmann

    Das Lichterpaar aus Bergmann im Habit und Engel in Weiß, seit den 1830er-Jahren.

  6. Ein Spanbaum aus hellem Lindenholz, dessen feine Locken stufenweise aufsteigen wie bei einer kleinen Fichte.
    Nr. VI

    Spanbäume

    Ein Bäumchen aus einem einzigen Stück Linde, Span für Span gestochen.

  7. Eine kleine Gruppe Reifentiere: Pferd, Kuh, Kalb, Schaf und Ziege.
    Nr. VII

    Reifentiere

    Eine Herde aus einem einzigen gedrehten Fichtenreifen, ein Handwerk, das es nur um Seiffen gibt.

Ein Schwibbogen leuchtet in der Abenddämmerung in einem bereiften Fenster, Schnee auf dem Sims und auf der Straße.

Während der ganzen Adventszeit arbeitet und schnitzt der fleißige und speculative Bergmann an allerlei mechanischen Spielereien, welche meistenteils allerlei Modelle des Bergbaues sind … oder er illuminiert sie zur Freude seiner Familie am Heiligen Abend.

Christian Gottlieb Wild, Pfarrer im Erzgebirge, frühes 19. JahrhundertWarum sich die Bergleute nach Licht sehnten
Kalendarium

Advent im Gebirge

Kupferstich: verschneiter Marktplatz einer Bergstadt in der Dämmerung, eine hohe Weihnachtspyramide vor einer gotischen Hallenkirche, ringsum Leute.
  1. Erstes Adventswochenende

    Pyramidenanschieben

    Die Orte setzen ihre großen Pyramiden unter freiem Himmel in Gang, meist mit Blasmusik.

  2. An den Adventswochenenden

    Bergparaden

    Bergleute ziehen im Habit durch die alten Bergstädte. Die letzte und größte Parade findet am vierten Advent in Annaberg-Buchholz statt.

  3. Winterabende

    Hutzenabend

    Nachbarn sitzen um einen warmen Ofen beisammen, arbeiten, erzählen und singen.

  4. Kurz vor Weihnachten

    Mettenschicht

    Die letzte Schicht vor dem Fest, früher beendet, mit Andacht, Lied und gemeinsamem Essen.

  5. Heiligabend

    Neunerlei

    Ein Abendessen aus neun Gerichten, jedes mit einem eigenen Wunsch für das kommende Jahr.