Geschnitztes Licht aus dem Erzgebirge

Mehr als achthundert Jahre lang gab dieses Gebirge an der Grenze zwischen Sachsen und Böhmen Silber, Zinn und Kobalt her. Als der Bergbau nachließ, griffen die Bergmannsfamilien zur Drehbank und zum Schnitzmesser, und das Erzgebirge wurde berühmt für sein Holzspielzeug und seine Weihnachtslichter: Schwibbögen, Pyramiden, Räuchermänner.
Bis heute werden diese Stücke in kleinen Werkstätten des Gebirges gedrechselt, geschnitzt und bemalt. Diese Chronik erzählt, woher sie kommen, wie sie entstehen und wie man sie pflegt.
Glück auf!
Mit „Glück auf!“ grüßen sich die Bergleute im Erzgebirge seit dem späten 17. Jahrhundert. Gemeint war der Wunsch, der Berg möge sich auftun und reiche Erzgänge freigeben; später kam die Bitte hinzu, gesund wieder auszufahren. Im Gebirge sagt man es bis heute.
Erzgebirge Guild heißt ein Kreis kleiner, unabhängiger Werkstätten in diesen Bergen: oft ein Drechsler, eine Malerin, eine Familie. Diese Chronik erzählt ihre Geschichte – von den Gruben und den Bergleuten bis zum Handwerk und seinen Bräuchen. Jede Jahreszahl stützt sich auf eine Quelle; die Quellen stehen am Ende jeder Seite.
Vom Berg zur Werkstatt

Das Erzgebirge
Ein Grenzgebirge zwischen Sachsen und Böhmen, benannt nach dem Erz in seinem Inneren. Von 1168 bis ins 20. Jahrhundert wurden hier Silber, Zinn und Kobalt gefördert.

Vom Erz zum Holz
Als der Bergbau ins Stocken geriet, gingen die Bergdörfer zur Drehbank über. Wie Spielzeug und Weihnachtslichter zum Broterwerb des Gebirges wurden.

Das Handwerk
Linde, Buche und Fichte; Drehbank, Messer und Pinsel. Wie ein Räuchermann entsteht und warum sich eine Pyramide dreht.

Die Werkstätten
Kleine Werkstätten, oft eine einzige Familie, und die Handwerke, die die alten Formen lebendig halten.
Die Stücke
Sieben Formen, die das Erzgebirge berühmt gemacht haben, jede mit ihrer eigenen Geschichte.
Nr. IRäuchermänner
Eine kleine gedrechselte Figur, die den Duft einer verborgenen Räucherkerze aus dem Mund pafft.
Nr. IIWeihnachtspyramiden
Ein Karussell aus Figuren auf Etagen, gedreht allein von der Wärme seiner Kerzen.
Nr. IIINussknacker
Gestrenge Könige, Soldaten und Förster mit einem Hebel im Rücken und einem Maul für Walnüsse.

Nr. VEngel und Bergmann
Das Lichterpaar aus Bergmann im Habit und Engel in Weiß, seit den 1830er-Jahren.

Nr. VIIReifentiere
Eine Herde aus einem einzigen gedrehten Fichtenreifen, ein Handwerk, das es nur um Seiffen gibt.

Während der ganzen Adventszeit arbeitet und schnitzt der fleißige und speculative Bergmann an allerlei mechanischen Spielereien, welche meistenteils allerlei Modelle des Bergbaues sind … oder er illuminiert sie zur Freude seiner Familie am Heiligen Abend.
Advent im Gebirge

- Erstes Adventswochenende
Pyramidenanschieben
Die Orte setzen ihre großen Pyramiden unter freiem Himmel in Gang, meist mit Blasmusik.
- An den Adventswochenenden
Bergparaden
Bergleute ziehen im Habit durch die alten Bergstädte. Die letzte und größte Parade findet am vierten Advent in Annaberg-Buchholz statt.
- Winterabende
Hutzenabend
Nachbarn sitzen um einen warmen Ofen beisammen, arbeiten, erzählen und singen.
- Kurz vor Weihnachten
Mettenschicht
Die letzte Schicht vor dem Fest, früher beendet, mit Andacht, Lied und gemeinsamem Essen.
- Heiligabend
Neunerlei
Ein Abendessen aus neun Gerichten, jedes mit einem eigenen Wunsch für das kommende Jahr.


