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Eine Chronik der Holzkunst aus dem Erzgebirge

Aus dem Erzgebirge

Spanbäume

Drei unterschiedlich hohe Spanbäume auf dem Fensterbrett, Morgenlicht scheint durch ihre Locken vor einem bereiften Fenster.
Drei Spanbäume auf dem Fensterbrett, Morgenlicht in den Locken.

Ein kleiner Baum, dessen Zweige Holzlocken sind, eine nach der anderen aus einem einzigen gedrechselten Lindenkegel gestochen. Er entsteht in der Gegend um Seiffen, und ein einziger falscher Stich verdirbt ihn.

Die Geschichte

Schon Musterbücher um 1850 zeigen Bäumchen aus Spänen. Doch das Handwerk verschwand beinahe: 1914 stach um Seiffen kaum noch jemand Bäume, weil die Verleger für den Export billigere Bäumchen aus grün gefärbtem Luffaschwamm am Stab vorzogen. Um 1920 belebte die Seiffener Spielwarenschule den Spanbaum neu und entwickelte die Formen, die bis heute entstehen.

In Seiffen erzählt man seinen Ursprung so: Der Direktor der Schule griff eine alte Technik der Bergleute auf, die Späne in Holzscheite stachen, damit sie beim Feuersetzen besser brannten, dem alten Verfahren, Gestein unter Tage mit Feuer mürbe zu machen. Die Geschichte ist die des Ortes und anderswo nicht belegt. In der Mundart heißt das Handwerk Beemel-stachen.

Als Sachsen das Kunsthandwerk des Erzgebirges 2024 für das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes vorschlug, nannte es das Spanbaumstechen neben dem Reifendrehen unter den besonderen Techniken. 2025 wurde das Handwerk aufgenommen.

Wie er entsteht

Am Anfang steht ein kegelförmiger Rohling aus geradfaseriger Linde, auf der Drehbank gedreht. Die Rohlinge lagern vier bis fünf Monate im Keller, damit sie feucht und geschmeidig bleiben. Dann wird der Rohling in einen Schraubstock gespannt, und mit dem Eisen hebt der Spanbaumstecher einen dünnen Span nach dem anderen ab, rundherum, sodass sich jeder zu einem gewundenen Zweig von gleicher Länge wie seine Nachbarn rollt. Ein einziger gebrochener Span verdirbt den Baum, und er ist unverkäuflich.

Gebrauch und Pflege

Die Locken sind dünn und zerbrechlich. Fassen Sie einen Spanbaum am Fuß an, nie an den Zweigen. Zum Abstauben pusten Sie behutsam oder nehmen einen sehr weichen Pinsel, von oben nach unten, den Locken folgend.

Gestochenes Holz fängt leicht Feuer: Halten Sie einen Spanbaum weit weg von Kerzenflammen, auch von denen einer Pyramide. Schützen Sie ihn vor praller Sonne, die das Holz ausbleicht, und bewahren Sie ihn im Karton in einem trockenen Raum auf.

Quellen

  1. Kurort Seiffen, „Spanbaumstechen“
  2. Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, Entwicklung der Spielwarenschule Seiffen
  3. Fine Woodworking, „Span Trees: A German Craft Tradition“ (2014)
  4. Deutsche UNESCO-Kommission, Kunsthandwerk im Erzgebirge (2025)