Engel und Bergmann

Ein Bergmann im schwarzen Habit und ein Engel im langen weißen Kleid, beide mit Kerzen in den Händen. Im Erzgebirge stehen sie in fast jeder Weihnachtsstube beisammen. Der Engel kam in den 1830er-Jahren zur Welt; die Kerzen des Bergmanns sind älter.
Formen
Der Engel trägt ein langes weißes Kleid nach der Frauenmode der 1830er-Jahre, oft in zwei oder drei Stufen mit Rüschensaum; seit diesem Jahrzehnt kennzeichnet eine rote Schürze mit grüner Zickzackborte den klassischen Engel des Erzgebirges. Der Bergmann trägt die Paradetracht, die eine sächsische Verordnung 1768 festlegte: hoher grüner Schachthut, schwarzer Kittel, Arschleder, weiße Hose, schwarze Schuhe. Die Figur eines Steigers ist prächtiger, mit Kamm und Federbusch. Die Werkstätten stimmten beide in Größe, Form und Farbe aufeinander ab; sie gehören zusammen.


Die Geschichte
Der Bergmann trug ein Licht, lange bevor er zu Weihnachten in die Stube kam. Seit den 1670er-Jahren standen zinnerne oder hölzerne Bergmannsfiguren auf den Altären der Bergstädte und hielten die beiden Altarkerzen: in Schneeberg seit 1674, in Geising seit 1685, in der Annaberger Bergkirche seit 1715. Manche tun es noch heute. Im späten 18. Jahrhundert schnitzten Bergleute einfache Figuren ihrer selbst; der Freiberger Bergkalender erwähnt ihr Schnitzen 1774.
Der Engel ist jünger. Der gedrechselte Lichterengel, der in seinem Kleid mit Kerzentülle und hölzernen Flügeln dasteht, ist eine Schöpfung des Biedermeier; trotz eifriger Suche fand der Volkskundler Karl Ewald Fritzsch kein Stück, das älter wäre als etwa 1830. Vorbild war vielleicht der Nürnberger Rauschgoldengel. Zusammen mit dem Bergmann verbreitete er sich aus den Seiffener Werkstätten über Sachsen und Deutschland, vor allem in die Bergbaugebiete, und wurde, wie Fritzsch schreibt, zum Sinnbild der erzgebirgischen Weihnacht.
Wofür stehen die beiden? Manche sagen, der Engel sei die Frau des Bergmanns; Fritzsch verwarf das als nachträgliche Deutung. Der weiße Engel kommt aus der Frömmigkeit, und in den alten Christspielen des Gebirges wurden die Engel oft von jungen Bergleuten in langen weißen Hemden gespielt. Manche Familien erzählen, man habe früher für jeden Sohn einen Bergmann und für jede Tochter einen Engel ins Fenster gestellt. Ein schöner Brauch, auch wenn ihn die Forschung in alten Quellen nicht gefunden hat.
Wie sie entstehen
Beide Figuren sind im Kern Drechselarbeit. Körper, Kopf und Rock kommen von der Drehbank; die Flügel des Engels und andere kleine Teile werden gesägt oder geschnitzt und angeleimt; dann wird jede Figur bemalt, der Bergmann in Schwarz und Weiß mit seinen Abzeichen, der Engel mit Kleid und Vergoldung. Schwebeengel, als Lichterträger von der Decke gehängt, entstehen um Seiffen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Gebrauch und Pflege
Verwenden Sie Kerzen, die fest in den Tüllen sitzen; viele Figuren leuchten heute auch elektrisch, und dann gelten die Regeln für die Lämpchen der Schwibbögen, in den USA auch die 120 Volt. Lassen Sie brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt und halten Sie die Figuren von Vorhängen und allem fern, was Feuer fangen kann. Flügel, Tüllen und Lampen sind empfindlich: Fassen Sie eine Figur am Körper an, nicht an Armen oder Flügeln.
Stauben Sie die beiden mit einem weichen, trockenen Pinsel ab, halten Sie sie von praller Sonne und Feuchtigkeit fern und bewahren Sie sie zwischen den Weihnachtszeiten im Karton in einem trockenen Raum auf.


Quellen
- Karl Ewald Fritzsch, „Bergmann und Engel als weihnachtliche Lichterträger“, Der Anschnitt (1959)
- Siegfried Sieber, „Erzgebirgische Bergmannsfiguren aus Holz und Zinn“, Der Anschnitt (1959)
- Siegfried Sieber, „Bergmännische Weihnachtsbräuche im Erzgebirge“, Der Anschnitt (1959)
- Erzgebirgisches Spielzeugmuseum Seiffen, „Weihnacht im Museum“


